Landessynode in Bad Reichenhall

Herbsttagung 2016

Landessynode Herbsttagung 2017 Bad Reichenhall Plenum

Neben dem Schwerpunktthema Finanzen wurde intensiv über die Arbeit für Geflüchtete diskutiert.

Bild: McKee

Für vier Tage kam die Kirchenleitung nach Bad Reichenhall: Die bayerische Landessynode tagte vom 20. bis 24. November 2016 im Königlichen Kursaal. Im Zentrum: Finanzen und Arbeit für Geflüchtete.

Traditionell begann die Landessynode mit einem Gottesdienst. In der evangelischen Stadtkirche Bad Reichenhall predigte der Superintendent Mag. Olivier Dantine der Superintendentur Salzburg-Tirol. Er betonte in seiner Gastpredigt, die Glaubwürdigkeit des Projektes der Europäischen Einigung entscheide sich daran, wie mit den Zuflucht suchenden Menschen an den Grenzen umgegangen werde. Er mahnte eindringlich dazu, die Grenzen nicht auf Kosten der Schwächsten zu schützen: „Wer über Grenzen und deren Schutz redet, sollte das nicht tun, ohne gleichzeitig über den Schutz verletzlicher Menschen zu reden.“

Am Montag, 21. November, starteten die öffentlichen Plenarberatungen im Königlichen Kurhaus mit einer Andacht und der Eröffnungsansprache der Präsidentin, Annekathrin Preidel. Preidel warnte mit Blick auf gesellschaftliche Veränderungen vor zu viel Schwarzmalerei, aber auch vor Verharmlosung. "Wir könnten sagen: Terror? Flucht? Failed states? Eine brennende Welt? Na und? Irgendwann werden sich die Zustände wieder normalisieren." Der christliche Glauben vertrete nicht die Haltung des "Na, und?", sondern des "Und trotzdem!". "Seien wir eine Kirche, die hellwach am Puls der Zeit und am Puls der Menschen ist." Es müssten Formen kirchlicher Dienstleistungen, die die Nöte der Menschen aufgreifen, oder Räume der Spiritualität und Orientierung entwickelt werden. "Werden wir eine Kirche ohne Barrieren, mit niederschwelligem Angebot für Querdenker, Visionäre, Grenzgänger, Suchende und Fragende", forderte Preidel.

Zur Person

Landessynode Herbsttagung Bad Reichenhall Plenum, Bild: © ELKB

Synode Multimedial

Begleitend zur Tagung finden Sie die Multimediaberichterstattung im Pageflow. Alle wichtigen Berichte, Worte und Beschlüsse in Bild, Audio und Video.

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Die Forderung nach sozialer Gerechtigkeit und Antworten auf eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft hat Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in den Mittelpunkt seines Berichts vor der Landessynode gestellt. Die Angst vor einem sozialen Abstieg mache den Menschen immer mehr zu schaffen. Als Antwort auf diese Situation müssten die politischen Weichen so gestellt werden, dass diese "Fehlentwicklungen" überwunden würden und die soziale Gerechtigkeit wieder einen zentralen Stellenwert in der Politik bekomme, forderte der Landesbischof. Die nötige Orientierung in "aufgewühlten Zeiten" kann Bedford-Strohm zufolge die Rückbesinnung auf die Bibel geben. Die Begeisterung über die neue Lutherbibel, die zum Reformationsjubiläum erschienen ist, sei ein Zeichen dafür, dass sich Menschen nach "Kraft- und Orientierungsquellen" sehnen. Denn die Bibel sei ein "lebensspendendes Buch".

Schwerpunkt der Synode ist der Beschluss über den Haushalt 2017

Traditionell beschäftigten sich die Synodalen im Herbst mit Finanzthemen. Im Zentrum standen Beschlüsse zum Jahresabschluss 2015, zum Haushalt 2017 sowie zur Vorsteuerung für die Haushalte 2018/2019. Der Landessynode lag ein ausgeglichener Haushalt zur Beschlussfassung vor. Er sieht Erträge in Höhe von 907,4 Millionen Euro und Aufwendungen in Höhe von 906,7 Millionen Euro vor. Die Personalausgaben seien, so der Oberkirchenrat der Finanzen, Erich Theodor Barzen, mit 484 Millionen Euro der größte Posten, gefolgt von den Zuweisungen an Gemeinden und Dekanatsbezirke in Höhe von 155 Millionen Euro. Die Zuschüsse für landeskirchenübergreifende Aufgaben, weltweite Ökumene, Mission und Entwicklung sowie an diakonische Träger betragen 112 Millionen Euro. Für Sach- und Dienstaufwand sind es 78 Millionen Euro. Fast einstimmig hat die Synode den Haushalt 2017 beschlossen, auch die Vorsteuerwerte für 2018 (1,9 Prozent) und  für 2019 (1,7 Prozent) wurden mit großer Mehrheit angenommen.

Zur Person

Flucht und Asyl, Bild: © UNHCR/Andrew McConnell

Flucht und Asyl

Tausende von Christen engagieren sich in der Asylarbeit. Damit Geflohene eine Zukunft haben.
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Vor einem Jahr hatte die Synode angesichts der großen Zahl von Flüchtlingen, die nach Bayern gekommen waren, zusätzlich 20 Millionen Euro bereitgestellt, um Kirchengemeinden zu unterstützen, die Flüchtlinge unterbringen und betreuen. Es wurde eine Taskforce „Wir schaffen Herberge“ eingerichtet, die die Gelder schnell und unbürokratisch verteilen soll. Vom Herbst 2015 bis heute hätten die AG Herberge 300 Anfragen aus den unterschiedlichsten Bereichen (Wohnraum, Bildung, Traumatherapie, Begleitung Ehrenamtlicher) erreicht, berichtete die Geschäftsführerin der Taskforce, Pfarrerin Bettina Naumann. „ Wir wurden damit Zeugen eines enormen Engagements in der Breite der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern und in den Einrichtungen des Diakonischen Werkes.“ Für die Zukunft empfahl Naumann, die Unterstützung von Traumatherapie, Sprache und interkulturelle Kompetenz, Einstieg in Bildung und Arbeit sowie die Unterstützung begleiteter Kinder und Jugendlicher und ihrer Angehöriger zu intensivieren. Um Flüchtlinge zu unterstützen, wird die Landessynode in den Folgejahren weitere 17 Millionen Euro einsetzen. Damit solle unter anderem die Asylsozialberatung in Bayern finanziert werden aber auch den bedrängten Menschen in ihren Heimatländern geholfen werden.

In seinem Bericht über die Abteilung C, Ökumene und Kirchliches Leben, konzentrierte sich auch Oberkirchenrat Michael Martin auf Flüchtlings- und Asylfragen. Allen negativen Prognosen zum Trotz halte die grundsätzlich positive Einstellung gegenüber Geflüchteten in Deutschland unvermindert an, betonte Martin. Der Oberkirchenrat würdigte den Einsatz der unzähligen Ehrenamtlichen, die sich in der Evangelischen Kirche der geflüchteten Menschen annehmen, und betonte, wie notwendig hier eine professionelle Koordination der ehrenamtlichen Arbeit sei. Viele Ehrenamtliche fühlten sich, so Martin, von den rasanten Veränderungen in der Asylgesetzgebung überfordert und in ihrer Arbeit vom Staat nicht wertgeschätzt. „Freiwillige Helferinnen und Helfer wünschen sich mehr Rückendeckung durch die Politik, um die vielen Herausforderungen zu meistern, und weiterhin eine starke Stimme der Kirchen im öffentlichen Diskurs sein zu können.“ Haupt- und Ehrenamtliche könnten den Staat verbessern, betonte Martin, weil sie nicht nur Hilfe leisteten, sondern aufgrund ihrer Erfahrungen auch Änderungen an den politischen Rahmenbedingungen einfordern könnten. Als eine solche Forderung nannte der Oberkirchenrat, eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten beizubehalten. Diese habe sich als Erfolgsrezept für gelingende Integration bewährt.

 

 

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Feierliche Erffnung
Zuflucht geben
Kirche am Puls der Menschen

Weitere Themen der Synodaltagung

Die 1840 örtlichen Pfründestiftungen in Bayern sollten neu geordnet werden. „Pfründe“, das waren seit dem Mittelalter Felder, aber auch Gebäude im Besitz der Kirchengemeinden, die dem Pfarrer für seinen Lebensunterhalt zur Verfügung gestellt wurden. Doch seit 1955 werden die Pfarrer zentral von der Landeskirche besoldet. Die vielen Pfründestiftungen wurden seitdem zentral vom Pfründestiftungsverband bewirtschaftet. Die Erträge kamen der Landeskirchenkasse und damit der Pfarrerbesoldung zugute. Doch der Verwaltungsaufwand ist hoch und soll jetzt reduziert werden, indem die 1840 Pfründestiftungen zu einer Evangelisch-Lutherischen Pfründestiftung zusammengefasst werden. Die Synodalen haben Eckpunkte für ein künftiges Kirchengesetz beschlossen.

Eingaben und Anträge: Jedes Mitglied der bayerischen Landeskirche hat das Recht, eine Eingabe an die Synode zu richten. 16 Eingaben lagen diesmal zur Beschlussfassung vor. Darunter ein Antrag auf Errichtung von Gemeindepatenschaften, ein Antrag auf eine zusätzliche Professorenstelle für das Fach Ethik in der Augustana-Hochschule, zwei Eingaben beschäftigen sich mit dem Thema Judenmission, eine andere Eingabe fordert die Landessynode auf, die ökumenischen Beziehungen zu lutherischen Kirchen, die die Frauenordination wieder aufgegeben haben, einer Prüfung zu unterziehen. Die Ergebnisse der Beschlüsse sind dokumentiert.

Der dringliche Antrag von Snyodalem Joachim Piephans zur zentralen Unterbringng von Flüchtlingen in Lagern wurde intensiv diskutiert. Synodale Hanna Wirth: "Wenn ich das Recht nicht ändern kann, dann möchte ich ein Zeichen setzen, dass alles dafür getan wird, dass diese Familien in angemessener Weise in den Einrichtungen leben können." Eine generelle Ablehnung von zentralen Einrichtungen zur zügigen Rückführung kann sich die Synode nicht zu eigen machen. Die Synode möchte aber sich selbst ein Bild machen und will einen Besuch in einer Ankunfts- und Rückführungseinrichtung (ARE) organisieren. Sie forderte in ihrem Beschluss zudem, der besonderen Situation von Flüchtlingen mit Kindern im Schulalter in diesen AREs gerecht zu werden. Sie möchte darauf hinwirken, dass bei mehrmonatigen Aufhalten in den AREs die Standards von Gemeinschaftsunterkünften angewandt werden.

 


25.11.2016 / ELKB/epd