Frühjahrssynode Ansbach

Schwerpunktthema: "Lug ins Land, Kirche!"

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    „Lug ins Land, Kirche!" – unter diesem Motto wird sich die bayerische Landessynode vom 17. bis 21. April in Ansbach schwerpunktmäßig mit der Situation der Kirche in den ländlichen Räumen beschäftigen. 

    Vor allem am Dienstag, 19. April 2016, ging es in Ansbach um die ländlichen Räume. Zu Beginn der Plenarsitzung um 9 Uhr stand nach der Andacht ein Podiumsgespräch auf dem Programm. Unter der Überschrift „Die ländlichen Räume zeigen Gesicht“ wurden eine Reihe von Fachleuten interviewt. Jugendliche, Politiker, Wirthschaftsfachleute, Bauern, Diakoniker und Sozialmanager äußerten sich zu aktuellen Lebensrealitäten auf dem Land und Herausforderungen in gesellschaftlicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht.

    Zitat

    „Wir bleiben dann eine gesellschaftlich relevante Kirche, wenn wir ein Konzept regionaler Vernetzung gestalten.“ 

    Bischof Dr. Dr. h.c. Markus Dröge vor der Landessynode

     In seinem Grußwort an die Synode betonte der Erzbischof der Erzdiözese Bamberg, Ludwig Schick, die Bedeutung des Schwerpunktthemas „Kirche in den ländlichen Räumen“. Es sei Aufgabe der Kirchen, die Gemeinden, aber auch die Kommunen auf dem Land zu unterstützen. „Wenn nur noch die Kirche auf dem Land ist, dann ist das zu wenig. Wir brauchen auch lebendiges kommunales Leben auf dem Land. Dazu wollen wir beitragen."

    Zur Person

    Familie im Dorf, Bild: © ELKB

    "Lug ins Land, Kirche!"

    Impressionen, Video-Beiträge aus den Regionen, Statements der Synodalen,  Diskussionsergebnisse und eine Zusammenfassung des Schwerpunkttages in Ansbach können Sie im Multimediabericht abrufen.

     

    Zum Multimediabericht

    „Die Gesellschaft verändert sich, die Menschen verändern sich, die Lebensbedingungen ändern sich – gerade auch auf dem Land. Es ist wichtig, dass wir als Synode genau hinschauen und hinhören, nicht nur, um Diagnosen zu stellen, sondern um unser kirchenleitendes Handeln in den kommenden Jahren daran auszurichten“, betonte Annekathrin Preidel, die Präsidentin der Landessynode.

    In den Mittagsstunden konnten sich die Synodalen im Ansbacher Kulturzentrum Karlshalle beim "Dienstagsmarkt" auf einer Art „Markt der Möglichkeiten“ über bereits bestehende kirchliche Angebote auf dem Land informieren. 34 Initiativen, Einrichtungen, Abteilungen und Gruppen hatten Infostände aufgebaut. Die Synodalen und Gäste tauschten sich mit den engagierten Mitarbeitenden über Erfahrungen und Herausforderungen der jeweiligen Angebote aus.

    "begabt leben – mutig verändern"

    "begabt leben – mutig verändern" - Der Vortrag von Bischof Markus Dröge in Ausschnitten.

    Die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO) hatte in einem umfassenden Konsultationsprozess „Welche Kirche morgen?“ 10 Thesen entwickelt, die auch für die ländlichen Räume zukunftsweisend seien. Bischof Dr. Dr. h.c. Markus Dröge referierte über diese Thesen, er stellte seinen Bericht unter das Motto "begabt leben – mutig verändern. Chancen für die Kirche in ländlichen Räumen“.


     Die These 1 beschreibt beispielsweise die Haltung, die notwendig ist, um gelingende Kooperationen zu gestalten. "Wenn die gemeinsame "Mission", der Auftrag klar is, dann entsteht auch Motivation zur Zusammenarbeit", so Dröge. Die These 2 stellt bewusste verbindende Konzepte in den Mittelpunkt, denn „Vielfalt ist Stärke“. Dröge nennt hier Tandem-Konzepte, Gemeindepartnerschaften und gemeinsame Jugendarbeitskonzepte.

    Eine besondere Herausforderung für die Kirche in ländlichen Regionen ist die Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie, so These 6.„ Kirche und Diakonie sollen als ein starkes Team zusammenfinden. Unsere Rolle in der Gesellschaft wird wesentlich davon abhängen, ob wir es schaffen, zusammenzuarbeiten, oder ob wir uns schleichend auseinanderleben, wie ein Ehepaar, das sich immer weniger zu sagen hat und immer weniger gemeinsame Berührungspunkte im Leben entdeckt.“

    Und auch die Kommunikation nach innen und nach außen sei verbesserungswürdig: „Die Zukunft liegt meiner Auffassung nach ganz klar in der intelligenten Nutzung der Informationstechnologie“, so Dröge. „Ohne Kommunikation läuft nichts.“

    Für das kirchliche Leben auf dem Land zeichneten sich dabei sehr klar drei grundlegende Strukturveränderungen ab:

    1. Die mittlere Ebene werde als Mittler-Ebene an Bedeutung gewinnen, gerade als Koordinator und aktiver Moderator für notwendige Veränderungen. Dabei können alle Ebenen gewinnen: „Das Bewusstsein, gemeinsam zukunftsfähige Strukturen geschaffen zu haben, ist ein sehr beglückendes Gefühl“, ergänzt Dröge.

    2. Die Region müsse als neue Identitätsgröße begriffen werden. Dröge: „Innerhalb einer Region gilt es deshalb, die Zusammenarbeit so zu gestalten, dass Aufgaben identifiziert, Ressourcen analysiert und übergemeindliche Konzepte vereinbart werden, damit regionale Vernetzung und Nähe zur Dorfgemeinschaft und ihrer Identität Hand in Hand gehen.“

    3. Die Parochialität bedürfe einer Neudefinition. In der mecklenburgischen Kirche werde das Projekt „Gemeinden er der Nähe“ erprobt. „Gemeinden der Nähe“ seien solche Gemeinden, die sich entweder funktional - also durch Übernahme einer bestimmten Aufgabe - oder lokal gründen, das heißt dort, wo Christinnen und Christen aktiv Verantwortung übernehmen. Gottesdienste finden nur noch statt, wo Gemeindeglieder dies dezidiert wünschen und dafür selbst Verantwortung übernehmen. Diese „Gemeinden der Nähe“ leisten selbständig ihre Arbeit und werden durch die Pfarrerinnen und Pfarrer lediglich begleitet: „Befreit von einem nicht leistbaren Aufgabendruck kann dann neue Kreativität entfaltet werden“, postuliert Dröge.

    Am Nachmittag haben sich die 108 Synodalen in sechs Arbeitsgruppen zusammengefunden und dort Fragen formuliert, die für das kirchenleitende Handeln in den kommenden Jahren relevant werden sollen. Im Plenum wurden die Ergebnisse zusammengetragen und für die Weiterarbeit an den Unterausschuss "Ländlicher Raum" verwiesen.


    20.04.2016 / ELKB