Interview mit dem Regensburger Dekan

"Zeichen der Wertschätzung"

Eckhard Herrmann

Eckhard Herrmann, evangelischer Dekan von Regensburg

Bild: (c) Evangelisch-Lutherisches Dekanat Regensburg

Zuletzt war die ELKB-Synode 1995 in Regensburg, „nach neunzehn Jahren wird es mal wieder Zeit“, freut sich der Regensburger Dekan Eckhard Herrmann (59) über den baldigen Tagungsgast. Ein Interview.

Herr Herrmann, wie fühlt es sich an, evangelischer Dekan in Regensburg zu sein, in dieser
Stadt zu arbeiten und für die Menschen in Regensburg da zu sein?

Eckhard Herrmann: "Das Evangelische ist in Regensburg an vielen Orten präsent. Die Geschichte, in der die Protestanten jahrhundertelang eine prägende Rolle gespielt haben, ist auch heute noch in vielfältiger Weise zu spüren. Heute sind die Evangelischen in Regensburg in der Minderheit. Aber das heißt nicht, dass sie nicht beachtet würden. Im Gegenteil! Als evangelischer Dekan nehme ich – wie auch andere Vertreter unserer Kirche – am öffentlichen Leben der Stadt teil. Das bedeutet nicht nur, als Gast zu offiziellen Veranstaltungen eingeladen zu werden, sondern mitgestalten zu können, gefragt und in Entscheidungsprozesse einbezogen zu werden. Mithelfen zu können, der Stadt Bestes zu suchen, wie es im Alten Testament heißt, unabhängig von politischen Parteien, das macht Freude; das bedeutet aber auch. Verpflichtungen wahrnehmen und Verantwortung tragen. Wichtig ist mir freilich auch, „in der Fläche“ präsent zu sein, nicht nur in den sieben Stadtgemeinden, sondern auch in den anderen 17 Gemeinden des Donaudekanats – zwischen Abensberg im Westen und Osterhofen im Osten."

Welche Beziehung haben Sie zu Regensburg?
Herrmann: "Bis zu meinem Dienstantritt im April 2006 habe ich Regensburg kaum gekannt.
Ein paar Tagesausflüge – das war’s. Mehr nicht. Ich habe mich sehr schnell an das Leben in Regensburg gewöhnt. Die Altstadt mit ihrem besonderen Flair, die Geschichte, die in jeder Gasse, ja fast bei jedem Haus zu spüren ist, die Lebendigkeit, die vor allem natürlich die Studentinnen und Studenten in die Stadt bringen, die schönen kleinen Cafés. Ich lebe gerne hier."

Warum ist Regensburg ein besonderer Ort gerade für eine Veranstaltung wie der ELKB-Herbsttagung?
Herrmann: "Die Landessynode war letztmals 1995 in Regensburg. Nach neunzehn Jahren wird es mal wieder Zeit! Nachdem im Frühjahr bereits der 99. Katholikentag in Regensburg stattgefunden hat, ist es schön, dass nun auch ein evangelischer Akzent gesetzt wird."

Mit welchen Erwartungen und Hoffnungen blicken Sie der Synode der bayerischen Landeskirche entgegen?
Herrmann: "Schwerpunktmäßig geht es ja bei den Herbsttagungen immer um die Finanzen.
Sicher wird in Regensburg auch die Hilfe für Flüchtlinge ein Thema sein. Im Donaudekanat werden nächstes Jahr zwei neue Erstaufnahmeeinrichtungen eröffnet – in Regensburg und in Deggendorf. Ich wünsche mir, dass unsere Landeskirche die Dekanate und die Gemeinden bei der Begleitung und Betreuung der Flüchtlinge spürbar unterstützt. Nicht nur mit guten Worten, sondern auch finanziell und personell. Aber mal abgesehen von besonderen Konkretionen …: es ist einfach schön, dass die Landessynode hier tagt. Für die Evangelischen in unserer Region ist das auch ein Zeichen der Wahrnehmung und der Wertschätzung."

Welche Gedanken haben Sie vor dem Hintergrund, dass der amtierende bayerische Landesbischof Bedford-Strohm gerade zum EKD-Ratsvorsitzenden gewählt worden ist?
Herrmann: "Ich freue mich sehr, dass unser Landesbischof in dieses Amt gewählt wurde. Ich hoffe, dass ihm bei dieser großen Aufgabe auch noch Zeit für sich und seine Familie und Muße für seine Hobbies und Interessen bleiben. Die Landessynode findet ja nur wenige Tage nach der EKD-Synode statt. Die Wahl Dr. Bedford-Strohms zum Ratsvorsitzenden wird sicher in die Regensburger Tagung 'hineinschwingen'. Das ist ja alles noch höchst aktuell."

Zur Person

Eckhard Herrmann, Bild: © (c) Evangelisch-Lutherisches Dekanat Regensburg

Dekan Eckhard Herrmann

Dekan Eckhard Herrmann leitet den Dekanatsbezirk Regensburg seit dem 1. April 2006. Geboren wurde er 1954 in Hannover und war vor seiner jetzigen Tätigkeit Gemeindepfarrer in Burghausen, Burgkirchen, Würzburg und Baldham. Herrmann ist verheiratet und hat drei Söhne.


13.11.2014 / Interview: Almut Steinecke
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