Landessynodaltagung Schwabach

Schwerpunktthema: Missionarisch Kirche

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    Was muss geschehen, damit Menschen mit ihren heutigen Lebens- und Sinnfragen die Kirche wieder stärker als den Ort entdecken, an dem sie Gott begegnen können?

    Zu einer „evangelischen Energiewende“ hatte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel in ihrer Eröffnungsansprache vor der Landessynode in Schwabach aufgerufen. Die Kirche müsse Wärme ausstrahlen, ihre Energie „verschwenderisch überfließen und Anderen zugutekommen lassen“. Wir dürfen nicht nur „in unsere Selbsterhaltung investieren“, betonte Preidel. „Seien wir keine Thermoskanne, die nur nach innen wärmt und nach außen kalt ist.“ Voraussetzung für eine „evangelische Energiewende“ sei es, „den Prognosen, dass wir dazu verurteilt sind, eine unbedeutende Minderheitskirche zu werden, nicht mehr Glauben zu schenken als dem Geist der Hoffnung“.

    Was muss geschehen, damit Menschen mit ihren heutigen Lebens- und Sinnfragen die Kirche wieder stärker als den Ort entdecken, an dem sie Gott begegnen können? Was können wir als Kirche dafür tun, dass Menschen im Evangelium die Antwort auf ihre Lebensfragen finden? Das sind Fragestellungen, mit denen sich die Synodalen schwerpunktmäßig am Dienstag, 17. April 2018, befasst haben. Den Einstieg in den Thementag bildete nach der Andacht ein Vortrag von Hans-Hermann Pompe, dem Leiter des Zentrums „Mission in der Region“ der Evangelischen Kirche in Deutschland.

    Zitat

    Was wäre, wenn unsere gereizte Gesellschaft unsere Gemeinden als Freude-Erwartungsgebiete entdeckte? Wenn über den Kirchen ein großes Schild stände: „Die EU-Gesundheitsminister waren: Der Besuch dieses Gottesdienstes kann ihre Sorgen und Ängste gefährden“? Schließlich ist das Evangelium eine Freudennachricht.

    Leiter des EKD-Zentrums für Mission in der Region, Pfarrer Hans-Hermann Pompe

    Der Leiter des EKD-Zentrums für Mission in der Region, Pfarrer Hans-Hermann Pompe, führte die Synodalen ins Schwerpunktthema Missionarisch Kirche ein. Im Zentrum standen die Fragen „Was muss geschehen, damit Menschen mit ihren heutigen Lebens- und Sinnfragen die Kirche wieder stärker als den Ort entdecken, an dem sie Gott begegnen können?“ und „Was können wir als Kirche dafür tun, dass Menschen im Evangelium die Antwort auf ihre Lebensfragen finden?“ Pompe stellte drei Beobachtungen in Kultur und Gesellschaft vor - Skepsis gegen große Geschichten, Bedürfnis nach Selbstvergewisserung und Privatisierung von Religion und Glaube -, die relevant für die Beschäftigung der Menschen mit Welt und Religion sind.

    Die Menschen heute würden die Vielfalt der Angebote, mit denen die postmoderne Gesellschaft sie überschütte, mit zwei Filtern sondieren: dem Filter der Relevanz und dem der Resonanz. Gerade religiös indifferente Menschen würden religiöse Angebote durch ihren Relevanzfilter wahrnehmen. Nicht mehr die Frage nach einem gnädigen Gott oder nach dem Wahrheitsgehalt der Religionen, sondern die Frage „Was bringt es mir?“ stünde hier im Vordergrund. Hierauf müssten auch die Kirchen Antwort geben.

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    „Spricht mich etwas/jemand so an, dass ich leuchtende Augen bekomme?“ sei eine weitere Frage, nach der religiöse Angebote gefiltert würden, erklärte Pompe. „People are attracted through fire not through fences“. Pompe beklagte, dass für die Mehrheit der jungen Leute Gottesdienst für Langweile stünde, eine Todsünde, die die Postmoderne nicht verzeihe. Kirche müsste mehr Flammen der Begeisterung schüren, statt die Asche zu bewahren. Er erlebe in der Kirche oft eine „Hoffnungslosigkeit und Kernresignation, die sich wie ein Mehltau über Glaube, Hoffnung, Liebe gelegt hat.“ Das hätte verschiedenste Gründe: Die Überlastung der Hauptamtlichen, innerkirchliches Misstrauen und Neid, („Wie sollen wir Salz der Erde sein, wenn wir innerkirchlich schon kein Vertrauen haben?“), die Erfahrung, nicht mehr bei dem gefragt zu sein, was man könne. Dabei lebe die Kirche doch im „weiten Raum der Freude Gottes“ (Jürgen Moltmann).

    Missionarisch Kirche,© ELKB

    Bild: ELKB

    Mission ist die Mission

    Mission – da denken die einen an den Missionar im Kochtopf, die andern an den Einsatz der Bundeswehr oder die Strategie ihres Fußballvereins. Die bayerischen Protestanten haben diese Woche in Schwabach intensiv ihre Mission zuhause diskutiert. Denn die Ki

    Zur Motivation sagte Pompe: Es gebe viele gute Erfahrungen in Gemeinden, viele Modelle sowie hilfreiches Material für Mission. Daran sei kein Mangel. Entwicklungspotential gebe es jedoch für eine „Haltung, die teilt, was wir lieben, die mit Lust vom Glauben redet, die unser gutes geistliches Erbe in den spirituellen Markt einbringt.“ Eine Haltung, die nicht nur in den Beziehungen zwischen den Menschen aufscheinen müsse, sondern in der Kirche auch zwischen den Kirchengemeinen, den verschiedenen Ebenen und Diensten sowie auch gegenüber der Landeskirche gelebt werden solle. Das bloße Verfolgen eines Missionsbefehls gehe am Kern vorbei, Mission werde dann Last und Teil des Gesetzes. Wenn Mission im Evangelium verwurzelt sei, dann beginne - wie im Neuen Testament beschrieben - Mission mit einer übersprudelnden Freude. Mit Beispielen unterstützte Pompe seine Thesen vom „Reden-Über“ zur „Begegnung-Mit“, vom Erwarten zum Hingehen, von der Selbstzufriedenheit zur Lernbereitschaft. Er schloss mit einem Aufruf, die Begegnung, das Hingehen und auch das Lernen zu lernen: „Gemeinde ist ein Freude-Erwartungsgebiet“.

    Anschließend konnten die Synodalen in sechs Workshops missionarische Initiativen kennenlernen und diskutieren: Musik: Kreative Kirche Witten, Alternative Gottesdienste für Kinder: Messy Church, Sprachfähigkeit: Konzertierte regionale Aktion Glaubenskurse, Überkonfessionelles: Holy Spirit Night, Interkulturelle Gemeindearbeit: Persische Gemeindegruppe aus Schwabach, Kirche weltweit: Missionarische Kirche in einer Minderheitensituation – am Beispiel Brasilien.

    Missionarische Projekte - vorgestellt beim Schwerpunkttag "Missionarisch Kirche" bei der Evangelischen Landessynode in Schwabach. Ein Film von Axel Mölkner-Kappl

    Weltweite Dimension

    Auch die weltweite Dimension der Ökumene wurde eingebracht. Bereits am Vorabend hatten das Ehepaar Dr. Aguswati und Markus Hildebrandt Rambe die Ergebnisse ihrer Arbeit auf der Projektstelle "interkulturell Evangelisch" präsentiert und berichteten aus der neu gegründeten ELKB-Fachstelle für interkulturelle Öffnung und über die Arbeit mit Gemeinden unterschiedlicher Sprache.  Die Direktorin des Partnerschaftscentrum Mission EineWelt, Gabriele Hörschelmann, berichtete im Anschluss von der Weltmissionskonferenz in Arusha. „Auf so einer Weltkonferenz gewesen zu sein, führt einem sehr lebendig vor Augen, wie sehr wir als Kirche Jesu Christi eine Familie bilden, die weltweit zusammengehört und in Gottes Sendung hineingenommen ist.“ Eine Missionarische Kirche zu sein, gehöre daher zum unbedingten Selbstverständnis der Kirche dazu. Hörschelmann forderte: „Es ist also notwendig, dass wir unsere Geschwister in den Partnerkirchen weltweit im Blick haben. Dass wir uns dort engagieren, wo ihre Not an uns herangetragen wird. Und dass wir uns auch von ihren Perspektiven befragen und ihrer Weisheit und Spiritualität bereichern lassen. Den weitesten Weg hatte Bischof Aaron Yap von der Lutherischen Kirche aus Malaysia. Er überbrachte die Grüße seiner Kirche und berichtete von der Missionsarbeit der Lutheraner in seinem Land. Der Missionsauftrag der Kirche sei ganzheitlich, so Yap. Eine lebendige Kirche zeige sich besonders in ihrer Missionsarbeit.

    Blitzlichter der Workshopergebnisse

    Mitglieder der Profil-und-Konzentrations-Steuerungsgruppe teilten im Anschluss an die Workshops im Plenum ihre Beobachtungen mit: Welche Schwerpunkte der präsentierten missionarischen Projekte können den Reformprozess befruchten? Informieren Sie sich über die Blitzlichter im Video.


    19.04.2018 / ELKB