Evangelische Kirchen in Europa

Durchbruch in der Ökumene

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Plenum

Ein Höhepunkt war die feierliche Unterzeichnung einer „Erklärung über die Absicht, einen gemeinsamen Dialog aufzunehmen“ durch den Präsidenten der GEKE und den Präsidenten des Päpstlichen Rates zur Förderung der Einheit der Christen, Kurt Kardinal Koch.

Bild: GEKE

Unter dem Motto "befreit-verbunden-engagiert"  gehen die Mitgliedskirchen der Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa mit großen Themen in die Zukunft - Bericht von der Vollversammlung in Basel.

"Befreit – verbunden – engagiert": Unter diesem Thema stand die 8. Vollversammlung der „Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa“ (Geke), die vom 13. bis 18. September 2018 in Basel stattfand. Die Mitgliedskirchen gehen mit drei großen Themen in die Zukunft:  Vertiefung der Kirchengemeinschaft,  Förderung der Einheit der Kirche sowie das Eintreten für ein verantwortungsbewusstes Europa in einer globalen Welt.

„Die evangelischen  Kirchen in Europa haben bei ihrer Vollversammlung in Basel starke Zeichen der Hoffnung gesetzt. Sie erheben in einer Zeit, in der das Vertrauen in die Demokratie vermehrt in Frage gestellt wird und Populismus, Nationalismus und Fremdenfeindlichkeit erstarken, ihre Stimme für die Tragfähigkeit der kirchlichen Netzwerke der Solidarität und des Dialogs und wollen diese auch weiterhin pflegen“, resümmierte Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel die Ergebnisse der Vollversammlung. „Wo andere Abspaltung predigen, öffnen sie Räume der Verständigung für  Einheit in versöhnter Verschiedenheit und ein starkes Europa“, so Preidel.

Mehr zum Thema

Zu der Vollversammlung hatte der Schweizerische Evangelische Kirchenbund gemeinsam mit der Evangelisch-Reformierten Kirche Basel-Stadt die Evangelischen Kirchen Europas eingeladen. Die Geke umfasst rund 100 lutherische, reformierte, unierte und methodistische Mitgliedskirchen aus über 30 Ländern. Rund 50 Millionen Gläubige werden vertreten.  Aus der bayerischen Landeskirche nahmen Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel und Oberkirchenrat Michael Martin als Delegierte der Vollversammlung teil.

Offizieller Dialog mit dem Vatikan

Auf ihrer sechstägigen Vollversammlung hatte die Geke mit dem Vatikan einen Austausch über theologische, gesellschaftliche und politische Fragen vereinbart. Es seien ein intensiver Dialog und gemeinsame Projekte, etwa zum Schutz verfolgter Christen, geplant, sagte Geke-Präsident Gottfried Locher. Er und der "Ökumeneminister" des Vatikans, Kurienkardinal Kurt Koch, hatten eine Erklärung zum regelmäßigen Austausch unterzeichnet. Erstmals führen damit die evangelischen Kirchen Europas geeint den Dialog mit dem Vatikan. Seit dem Beginn der Reformation vor 500 Jahren gab es einen derartigen Dialog nicht.

Erstmals komme es zu einem offiziellen Dialog des Vatikans mit einer Kirchengemeinschaft, in der lutherische, reformierte, unierte, methodistische und vorreformatorische Kirchen vereint seien, sagte der pfälzische Kirchenpräsident Christian Schad am Montag in Speyer.  Schad wertete die Vereinbarung als Durchbruch in der Ökumene. "Es bestehen im Blick auf das Kirchenverständnis größere Gemeinsamkeiten, als bisher wahrgenommen wurden", sagte Schad. Der Kirchenpräsident leitete die evangelische Delegation, die die Grundlagen für die Gespräche legte. Katholischer Delegationsleiter war der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann.

Bildung für Zukunft

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Beratungen

Ziel der Studie ist die Sensibilisierung für das vielfältige Bildungshandeln der Kirchen der Regionalgruppe Süd-Ost-Europa und der GEKE.

Bild: GEKE

Seit der Vollversammlung 2012 in Florenz ist Bildung ein Schwerpunktthema in der Geke. Publikationen und Studien sind entstanden, ein neues „Forum Bildung Europa“ wurde eingerichtet. In der Studie „Bildung für die Zukunft“, die Oberkirchenrat Michael Martin vor der Vollversammlung einbrachte, wird Bildung als Leitmedium postmoderner Gesellschaften beschrieben. Bildung sei gerade an den Grenzen des Lebens wichtig ist, um mit Brüchen, Leid und Unabänderlichem umgehen zu können, so die Herausgeber. In Umbruchsituationen werde Bildung zu einem Motor von Transformationsprozessen und verändere Kirchen und Gesellschaften.

Die Delegierten der  Regionalgruppe Süd-Ost-Europa brachten eine Fülle von Beiträgen zum kirchlichen Bildungshandeln aus der Perspektive ihrer jeweiligen Kirchen und ihrer Kontexte ein. Diese „Impulse und Empfehlungen“ für das Bildungshandeln der evangelischen Kirchen in Europa werden nun in den kommenden Monaten in den Mitgliedskirchen diskutiert.

Oberkirchenrat Michael Martin in den Rat der GEKE gewählt

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Rat

Preidel: "Besonders freue ich mich über die Wahl von Oberkirchenrat Martin in den Rat der Vollversammlung der GEKE."

Bild: GEKE

Im neuen Rat der GEKE ist nun Oberkirchenrat Michael Martin aus der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern vertreten. Neben Martin gehören folgende Personen dem Rat an: Christian Albecker (Frankreich, lutherisch), Ingrid Bachler (Österreich, lutherisch), John Bradbury (United Kingdom, reformiert), Marcin Brzoska (Polen, lutherisch), Pawel Gajewski (Italien, reformiert), Gottfried Locher (Schweiz, reformiert), Georg Plasger (Deutschland, reformiert), Miriam Rose (Deutschland, lutherisch-uniert), Barbara Rudolph (Deutschland, uniert), Ulla Schmidt (Dänemark, lutherisch), Klára Tarr Cselovszky (Ungarn, lutherisch) und David Turtle (Irland, methodistisch). Der Rat konstituierte sich am 17.9.2018 und wählte ein dreiköpfiges Präsidium, bestehend aus Gottfried Locher (Geschäftsführender Präsident), Miriam Rose und John Bradbury.

Der Rat der Geke bestätigte zudem Locher als geschäftsführenden Präsident der Gemeinschaft. Ebenso wurde die Jenaer Theologin Miriam Rose und der britische Pfarrer John Bradbury ins Präsidium gewählt.

Aufruf zum Frieden in Syrien

Gemeinschaft Evangelischer Kirchen in Europa Vollversammlung Basel

Preidel: "Ein weiteres starkes Zeichen über ihre Abschlusserklärung hinaus hat die Vollversammlung mit der Verabschiedung einer Resolution zur Situation in Syrien und Irak gesetzt."

Bild: GEKE

Mit einem Aufruf zum Frieden in Syrien ist die Vollversammlung der evangelischen Kirchen Europas in Basel zu Ende gegangen. Die europäischen Regierungen sollten sich für ein Ende des Krieges sowie den Schutz der Religionsfreiheit und der Minderheiten in dem Bürgerkriegsland einsetzen, heißt es in einer Resolution, die die Gemeinschaft veröffentlichte.

Die Kirchen hoben auch das Leid der Menschen im Irak hervor. Versöhnung und Wiederaufbau im gesamten Nahen Osten würden schwierig, hieß es. Die Gemeinschaft betonte ihre Verbundenheit "mit den christlichen Schwestern und Brüdern im Nahen Osten". Die christlichen Kirchen seien "seit bald zweitausend Jahren konstruktiver Bestandteil" der Gesellschaften in der Region. In den vergangenen Jahren wurden allein aus dem Irak Hunderttausende Christen von islamistischen Terroristen vertrieben.


21.09.2018 / GEKE/ELKB/epd