Begegnung mit Mecklenburg

Ein großes Familientreffen

Abschlussrunde in St. Matthäus Regensburg

Abschlussrunde in St. Matthäus Regensburg: kein Pflichttermin, sondern Familientreffen

Bild: ELKM/C. Meyer

Ein Wochenende lang trafen sich Delegationen der Bayerischen und Mecklenburgischen Kirchenleitungen in Regensburg, um die seit 70 Jahren bestehende Partnerschaft beider Kirchen mit Leben zu füllen.

Zusammen mit dem Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich und der Präses der Kirchenkreissynode, Stefanie Wolf, leitete der Bischof im Sprengel Mecklenburg und Pommern, Andreas v. Maltzahn die Delegation der Nordkirche. In Bayern wurden sie von Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel, Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und Mitgliedern des Landessynodalausschusses sowie des Landeskirchenrats empfangen.

Begegnung am Campus

Sie nutzten die Begegnung zu einem Besuch des Regensburger Hochschulcampus, an dem etwa 33.000 Studierende lernen. Hochschulpfarrer Friedrich Hohenberger moderierte nach einem Morgengebet in der 2002 eingerichteten Universitätskapelle ein Grundsatzgespräch mit Universitätspräsident Prof. Dr. Udo Hebel. Gefragt, wieviel Religion eine säkulare Hochschule ertrage, antwortete er kurz: „Viele!“ Gerade an der Universität, müssten Werte, Einstellungen, Prägungen, Erkenntnisse, Wahrheiten und eben auch Religionen in einen Dialog gebracht werden. Die Universität sei der Ort, an dem Menschen dafür gebildet würden, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Auch Glaubenseinstellungen müssten deshalb an der Hochschule ihren festen Ort haben. Eine Grenze finde der offene Diskurs dort, wo Akteure einander mit Abgrenzung und Herabsetzung begegneten. Die Verantwortung gegenüber der Würde des Menschen sei elementar. Präsident Hebel unterstrich auch die Bedeutung des kirchlichen Engagements am Campus: „Diese Arbeit könnten wir mit eigenen Mitteln nicht ersetzen!“ Es würde viel fehlen, wenn Kirche ihre Präsenz an der Hochschule reduzieren würde.

Schwerpunkt Diversität

Der Präsident der Ostbayerischen Technischen Hochschule (OTH), Prof. Dr. Wolfgang Bayer, beschrieb nach einer Führung durch den 2016 gebauten und seitdem multireligiös genutzten Raum der Stille aktuelle Entwicklungen des Regensburger Campus: Es gebe kaum vergleichbare Standorte, an denen ein derart breites Lehr- und Forschungsangebot in solcher Dichte vorgehalten werde. Ein besonderes Augenmerk werde dabei auf die Diversitäten gelegt: Studierende hätten unterschiedlichste Zugangswege, sie hätten Berufserfahrungen, seien im Ausland gewesen, entstammten unterschidlichsten Kulturen, hätten Kinder, ihren je eigenen Glauben und seien auch durch Krankheiten oder andere Probleme beeinträchtigt. „Heute wird das wahrgenommen“, so der Präsident.

Prof. Dr. Wolfgang Bayer, Präsident der OTH begrüßt die Delegationen

Prof. Dr. Wolfgang Bayer, Präsident der OTH begrüßt die Delegationen

Bild: ELKM/C. Meyer

Auf Wunsch von Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel präsentierte Angelika Frey die Arbeit von CampusAsyl. Auf Initiative der Hochschulseelsorge war der Verein 2015 gegründet worden, um sich fundiert auf den Zuzug von Geflüchteten vorzubereiten. In Spitzenzeiten engagierten sich über 700 Studierende mit Talent und Organisationsgeschick für deren Begleitung. Die Landeskirche finanzierte drei Jahre die Anstellung von zwei Ehrenamtskoordinatoren, um dieses jugendliche Engagement zu unterstützen. Die Synodalpräsidentin betonte, wie sehr sie dieses Leuchtturmprojekt beeindruckte: „Es hat tief in die Stadt gewirkt und weit ins Land ausgestrahlt!“ Der Arbeitstag endete in der Oswaldkirche mit einem Abendgebet, das Hochschulrektor Prof. Stefan Baier, auf der Orgel begleitete. Es war ein ökumenischer Gruß der dritten und kleinsten Regensburger Hochschule, an der Studierende aus aller Welt katholische Kirchenmusik studieren.

In der Regensburger St. Matthäusgemeinde, die eine lebendige Partnerschaft mit Güstrow pflegt, predigte der Schweriner Bischof Andreas von Maltzahn zum Abschluss in einem Gottesdienst.

Von den Erfahrungen der Anderen profitieren

Die Teilnehmer betonten immer wieder, dass die jährliche Begegnungen kein Pflichttermin, sondern ein großes Familientreffen sei. „Für solche Partnerschaft braucht es kein Vertragswerk, wir leben das!“ so die Synodalpräsidentin. "Die Erfahrungen unseres Lebens können einander befruchten! Zu hören, auf welche Weisen Gemeindeleben hier in Bayern und bei uns in Mecklenburg gelingen kann, ist bereichernd!", beschrieb auch der Schweriner Bischof Andreas v. Maltzahn die Bedeutung der langjährigen Kirchenpartnerschaft.

Ein gemeinsames Zukunftsthema für die Kirche insgesamt seien beispielsweise die verringerten Ressourcen, so v. Maltzahn. „Diese müssen optimal eingesetzt werden, damit Menschen dennoch mit ihren Fragen die Lebenskraft des Glaubens erfahren können.“ Das bedeute, insbesondere in peripheren ländlichen Räumen neue Arbeitsweisen zu entwickeln, „die Kirche nah bei den Menschen bleiben lässt, ohne dass Mitarbeitende ausbrennen. Weniger muss anders sein. Bilder von Gemeinde werden sich daher wandeln.“ Von Maltzahn zeigte sich überzeugt: „Mehr denn je können wir in solchen Fragestellungen von den Erfahrungen der anderen und vom theologischen Gespräch profitieren.“ Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm betonte, Mecklenburg zeige wie man mit weniger Ressourcen eine dennoch „ausstrahlungsstarke Kirche“ sein könne. Dies gebe den bayerischen Christen viel Zuversicht für die eigenen Veränderungsprozesse, bei denen es unter anderem um mehr Vernetzung gehe. „Die Nordkirche braucht diesen Dialog“, bekannte ebenso der Landesbischof der Nordkirche, Gerhard Ulrich. Zudem zeichne sich die Partnerschaft durch eine „erfreuliche Mischung aus Intensität und Leichtigkeit“ aus. Weil er in Kürze in Ruhestand gehen wird, verabschiedete er sich aus der Runde: „Vieles lasse ich gerne mit meinem Amt los. Aber die Partnerschaftstreffen mit Bayern werden mir richtig fehlen.“


24.01.2019 / Friedrich Hohenberger/cme/elkb