Bayerische EKD-Synodale in Bremen

Ein Zeichen für die ganze Kirche

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm, Rudolf Forstmeier, Verena Übler, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Oberkirchenrat Peter Hübner, Walter Schnell, Wolfgang Oertel, Christa Flauder, Gabriele Hoerschelmann (Mission EineWelt), Jonas Staßer und Chri

Landesbischof Bedford-Strohm, Rudolf Forstmeier, Verena Übler, Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler, Oberkirchenrat Peter Hübner, Walter Schnell, Wolfgang Oertel, Christa Flauder, Gabriele Hoerschelmann (Mission EineWelt) Jonas Staßer und Christine Kaas

Bild: ELKB

Vom 8. bis 11. November tagte die Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) in Bremen. Mit dabei: neun bayerische Synodale, die in diesem Jahr auch den Rat der EKD mitbestimmen durften.

Haushalt verabschieden, über Kirchengesetze beschließen, Empfehlungen abgeben - all das kennen Wolfgang Oertel, Walter Schnell, Christina Flauder und die anderen bayerischen Synodalen auch aus der bayerischen Landessynode. Der Reiz in der EKD-Synode besteht für die Münchner Pfarrerin Verena Übler darin, dass hier Menschen aus ganz unterschiedlichen Landeskirchen und Traditionen über das Geschick der Kirche beraten. Dass in diesem Jahr der Rat der EKD gewählt wurde, war dabei eine besondere Herausforderung - sollten in dem Leitungsorgan doch möglichst alle Richtungen, Frömmigkeitsstile und Altersgruppen angemessen vertreten sein. Bayern-Evangelisch.de sprach mit der Synodalen über ihre Hoffnung auf die Wiederwahl des bayerischen Ratsvorsitzenden, das Miteinander in der Synode und die Aufgaben der EKD-Synode für die Zukunft.

Frau Übler, ihre wievielte EKD-Synode ist das denn jetzt?

Verena Übler: Lassen Sie mich rechnen - das sind eine Tagung pro Jahr und im ersten Jahr zwei - dann ist das meine neunte Synode. 

Dann sind Sie quasi schon ein „alter Hase“.

Verena Übler: Na ja, ein bisschen schon. Man braucht schon immer eine Weile, um das System zu verstehen und zu durchschauen.

Was hat sich für Sie mit der neuen Synode verändert?

Verena Übler: Von den Abläufen her habe ich schon das Gefühl, besser drin zu sein. Nach den ersten zwei oder drei Tagungen habe ich mir Notizzettel geschrieben, an was ich alles denken muss: Zum Beispiel muss man sich, wenn der Ratsbericht gegeben und aufgerufen wird, sofort melden und dann auch einhaken und sagen: „Ich beziehe mich auf jene Seite im Ratsbericht und möchte dazu dieses sagen oder diesen Antrag stellen“. Das war mir vorher nicht so klar, dass man wirklich so konzentriert sein muss, damit man den richtigen Moment auch nicht verpasst. Wenn das Thema geschlossen ist, dann ist der Tagesordnungspunkt halt geschlossen. Und ich bin viel besser vernetzt.

Zitat

Ich erhoffe mir von der Synode, dass sie das hohe Engagement für Flüchtlinge vor Ort bestärkt und dass es ihr gelingt, die Menschen, die noch nicht mitgenommen werden konnten, mitzunehmen."

Verena Übler

Als bayerische Gruppe hatten wir in der letzten Wahlperiode am Anfang das Gefühl, ein bisschen schräg angesehen zu werden. Da kamen manchmal Kommentare wie: „Ach, Sie sind aus Bayern? Sie sind ja ganz nett…“. So in dem Stil. Irgendwie waren da Vorbehalte. Aber dieses Gefühl habe ich jetzt gar nicht mehr. Es mischt sich sehr gut in diesem Jahr. Man sitzt mal mit denen zusammen und mal mit jenen. Diesen Kontakt zu den Mitgliedern der anderen Landeskirchen empfinde ich als sehr bereichernd. Das erweitert unglaublich den Horizont.

Geht es Ihnen auch darum, bayerische Interessen anzubringen?

Verena Übler: Da bin ich ein bisschen unschlüssig. Es heißt immer, wir müssen unsere Interessen einbringen, wir müssen in jedem Ausschuss vertreten sein. Aber letztlich geht es in erster Linie darum, gemeinsam das Beste zu schaffen. Deshalb finde ich es bei Wahlen auch immer schwierig. Es können nicht aus allen Landeskirchen immer alle überall vertreten sein. Unser Auftrag ist doch eigentlich, aufs Ganze zu schauen und alle im Blick zu behalten. Trotzdem versuche ich die bayerische Perspektive einzubringen.

Begeisterung für Reformationsjubiläum

Christina Flauder,© ELKB

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Christina Flauder: "Ich erwarte mir von dieser Tagung einen Impuls für das Reformationsjubiläum 2017 - dass wir unsere Gemeinden mitnehmen und dass sie begeistert den Weg mit uns in das Jubiläumsjahr gehen werden."

Kirche der Zukunft

Jonas Straßer,© elkb

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Jonas Straßer: „Besonders freue ich mich über die Impulse der EKD-Synode zur Situation der Flüchtlinge. Sie stellen das Menschsein der Flüchtlinge ins Zentrum aller Überlegungen! Aber auch die gute Gemeinschaft zum Judentum, die hier sichtbar geworden ist, das Reformationsjubiläum 2017 und die Überlegungen, wie die EKD in Zukunft wirken kann, liegen mir am Herzen."

Kirche für Arme

Walter Schnell,© ELKB

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Walter Schnell:  "Ich habe mich auf dieser Tagung mit vielen Synodalen unterhalten und bin begeistert über das starke und vorbildliche Engagement für Notleidende und Flüchtlinge in allen 20 Kirchen. Bisher war mir klar, dass die Kirche etwas tut. Aber dass so viel Menschlichkeit gelebt wird - da bin ich ganz stolz geworden auf meine Kirche." 

Eine gute evangelische Position finden

Gabriele Hoerschelmann,© ELKB

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Gabriele Hoerschelmann, Mission EineWelt: "Vom Themenjahr Reformation Eine Welt ausgehend liegt mir die Flüchtlingsfrage besonders am Herzen,. Für mich steht im Vordergrund, eine gute evangelische Position zu finden die in die Gesellschaft hineinstrahlt."

Eine wichtige Weichenstellung

Rudolf Forstmeiner,© ELKB

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Rudolf Forstmeier: "Für mich ist die Ratswahl besonders wichtig. Mit der Wahl findet ja eine Weichenstellung statt. Ich erhoffe mir, dass die verschiedenen Prägungen unserer Kirche im Rat vertreten sind und dass sie gemeinsam an dem Einen arbeiten."

Fokus Reformation 2017

Christine Kaas ,© ELKB

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Christine Kaas: "Eines der wichtigsten Themen auf dieser Synode ist für mich das Reformationsjubiläum 2017.  Es soll weltweit Menschen bewegen, aufwecken., in die Gesellschaft hineinzünden und sich segensreich entfalten."  

Ein positives Signal

Wolfgang Oertel ,© ELKB

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Wolfgang Oertel: "Neben der Ratswahl liegt das Thema Flucht natürlich ganz obenauf. Ich wünsche mir, dass die Synode zu einem positiven Signal für die Menschen in Deutschland wird, das Helfende in ihrem Tun ermuntert und Skeptiker die Angst vor anstehenden Veränderungen nimmt."

Was ist ihnen an dieser Tagung besonders wichtig?

Verena Übler: Da ist natürlich besonders die Ratswahl. Es ist mir wichtig, dass gute Leute im Rat vertreten sind. Aber ich habe den Eindruck, dass alle Personen auf dem Vorschlag gut wählbar sind und sich ernsthaft einbringen. Daneben liegt mir die Flüchtlingsthematik am Herzen. An der kommt man nicht vorbei, die ist im Moment einfach total wichtig. Die Synode will sich dazu ja auch äußern. Ich denke, das wird auch in der Öffentlichkeit gehört. Vielleicht steht der Rat – aber in erster Linie eigentlich nur der Ratsvorsitzende – stärker in der Öffentlichkeit als die Synode.

Aber das, was wir beispielsweise zum Thema Flüchtlinge beschließen, das geht ja an die Politik. Das nimmt der Bevollmächtigte des Rates der EKD bei der Bundesrepublik Deutschland und der Europäischen Union mit und gibt es an die entsprechenden Politikerinnen und Politiker weiter. Davon hört man nichts in der Öffentlichkeit. Das wirkt mehr so unterschwellig.

Das bekommt man als Gemeindemitglied überhaupt nicht mit.

Verena Übler: Aber es ist das Entscheidende. Und es wirkt ja sogar über Deutschland hinaus, weil wir ja auch das Büro in Brüssel haben. Was die Synode sagt oder beschließt, wird aufgenommen und spielt eine Rolle – das melden unsere Vertreterin und unser Vertreter in Brüssel und Berlin zurück.

Richten Sie sich überwiegend an die Politik?

Verena Übler: Das fragen wir uns auch oft, wenn wir Kundgebungen formulieren: An wen gehen die denn? Und das ist oft nicht so leicht zu sagen. Die eine Richtung ist natürlich die Gesellschaft, aber es gibt auch Themen, die an die Gemeinden gerichtet sind oder an Landeskirchen. Das sieht man auch bei dem Flüchtlingsthema: Wenn es da um Willkommenskultur und Integration geht, dann sind ja wir alle angesprochen, das ist nicht nur allgemein an die Gesellschaft gerichtet. Eigentlich richtet sich alles immer nach außen und nach innen. Und es gibt ja nicht nur politische Themen, es gibt ja auch theologische und kirchenpolitische Themen und die richten sich besonders nach innen - an die Leitungsgremien und an die Basis.

Haben Sie denn den Eindruck, das kommt an? Lassen sich die Leitungsgremien etwas sagen von der EKD-Synode?

Verena Übler: Also manches müssen sie sich sagen lassen. Aber es gibt auch Beschlüsse, denen die Gliedkirchen zustimmen müssen. Das muss dann dort auch noch diskutiert werden. Es wird also nicht einfach über die Gliedkirchen bestimmt, sondern wenn die EKD etwas entscheidet, dann sind es in erster Linie Prozesse, die die Gliedkirchen dann nachvollziehen sollen. Und das wirkt sich dann schon – hoffentlich – bis auf die Basis aus, wenn beispielsweise neue Agenden beschlossen werden.

Sehen Sie sich als Vermittlerin zurück an die Landessynode und an die Gemeinden?

Verena Übler: Ja, schon. Das wird ganz unterschiedlich gehört, auch in der Gemeinde - je nachdem, wie interessiert ein Gemeindeglied an kirchlichen Gesamtzusammenhängen ist. Das sind jetzt in meiner Gemeinde nicht so viele, aber es gibt sie. Und die befragen mich dann auch und die denken daran. Ich weiß beispielsweise von einer älteren Dame, die unsere Tagung verfolgt und uns auch in die Fürbitte einschließt. Aber wenn man es statistisch betrachten würde, dann käme man jetzt wahrscheinlich nicht auf große Zahlen. 

Thema Flüchtlinge: Was sollte die Synode hier bewirken?

Verena Übler: In Richtung der Politik wäre es ein Erfolg, wenn geplante oder schon erfolgte Verschärfungen zurückgenommen oder nicht beschlossen würden. Und in Richtung der Gemeinden wäre es wichtig, das hohe Engagement für Flüchtlinge vor Ort zu bestärken und die Menschen, die noch nicht mitgenommen werden konnten, mitzunehmen.

Und im Blick auf die Ratswahl – was ist für Sie ein guter Rat?

Verena Übler: Es wäre mir wichtig, dass Frauen gut vertreten sind, und auch 'Jugend' ist für mich ein Kriterium. Wobei es viele sinnvolle Kriterien gibt und das macht die Wahl auch so schwierig. Der Rat müsste sich gleichermaßen an die Gesellschaft richten und sich auf die Gemeinde beziehen. Dieser Ausgleich zwischen Kirche und Gesellschaft wäre mir sehr wichtig.

Und in Sachen Ratsvorsitz?

Verena Übler: Ja (lacht), da gibt es eigentlich gar keine Frage. Also ich gehe schwer davon aus, dass es Heinrich Bedford-Strohm wieder wird und ich würde mich auch sehr darüber freuen.

Was würde Sie sagen, sind die wichtigsten drei Themen, die die Synode in den nächsten Jahren zu bearbeiten hat?

Verena Übler: Spontan aus dem Bauch: die Kirchenaustrittszahlen. Da kommt man nicht daran vorbei. Das beinhaltet eine ganze Menge, auch das wichtige Thema „Jugend und Zukunft“, verbirgt sich dahinter. Als Drittes: Der Rat sollte weiterhin Verantwortung für Politik und Gesellschaft wahrnehmen. Das lassen wir uns auch nicht nehmen. Wir haben ein Recht darauf, uns zu äußern - auch in der pluralistischen Gesellschaft. Das soll auch weiterhin beibehalten werden. Zuletzt: Der Lutherische Weltbund hat im Blick auf das Reformationsjubiläum drei Stichworte genannt, die für die Zukunft entscheidend sind. Auf Englisch klingt es schöner, aber auf Deutsch heißt es: Erlösung ist nicht für Geld zu haben, Menschen sind nicht für Geld zu haben und die Schöpfung ist nicht für Geld zu haben.“ salvation not for sale, human beings not for sale, creation not for sale. Dass wir das im Blick behalten, ist für mich ganz entscheidend.

Zur Person

Verena Übler , Bild: © ELKB

Verena Übler

ist Pfarrerin in München und Mitglied der Landessynode. In der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland ist sie seit 2008.