Synodalpräside in Zirndorf

Preidel: Flüchtlingshilfe verstärken

Kinderschuhe

Die bayerische evangelische Kirche will die Flüchtlingshilfe verstärken

Bild: (c) iStockPhoto / Claudiad

Die bayerische evangelische Landeskirche will Flüchtlingshilfe verstärken. Das kündigte Synodalpräsidentin Preidel bei einem Besuch im Erstaufnahmezentrum für Asylbewerber (ZAE) in Zirndorf an.

Die bayerische evangelische Landeskirche will ihre Anstrengungen in der Flüchtlingshilfe noch verstärken. Das kündigte Annekathrin Preidel, Präsidentin der Landessynode, beim Besuch mit einer Kirchendelegation am Samstag, 12. September 2015, im Erstaufnahmezentrum für Asylbewerber (ZAE) im mittelfränkischen Zirndorf an.

Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm habe in einer nächtlichen Mail alle bayerischen Pfarrämter aufgerufen, auch Gemeindehäuser für die Unterbringung von Flüchtlingen zu öffnen, wo immer das möglich sei. Auch wolle die Landeskirche außerplanmäßig 20 Millionen Euro für die Flüchtlingshilfe bereitstellen. Außerdem verwies Preidel auf die Tätigkeit der landeskirchlichen Arbeitsgruppe "Wir schaffen Herberge", die sich um Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge bemüht.

"Eine gute Horizonterweiterung"

Preidel hatte die Zirndorfer Einrichtung gemeinsam mit den Synodalpräsides der evangelisch-lutherischen Kirchen in Deutschland (VELKD) besucht, die am Wochenende zu ihrer Herbsttagung in Nürnberg zusammengekommen sind. Die bayerische Synodalpräsidentin zeigt sich besonders von der "gefühlten Leichtigkeit der Menschen" beeindruckt, die nach teilweise monatelangen Kriegs- und Fluchterfahrungen in Zirndorf erstmals zur Ruhe kommen könnten: "Der Besuch hier war für uns eine gute Horizonterweiterung".

Das ZAE ist mit derzeit völlig überbelegt. Viele Flüchtlinge schlafen in Wohncontainern, in zu Schlafkammern umgewidmeten Garagen oder in einer kurzfristig errichteten Leichtbauhalle. Die meisten werden von hier schon nach wenigen Tagen in andere Quartiere gebracht. Michael Münchow von der Regierung von Mittelfranken räumte angesichts der immer weiter steigenden Flüchtlingszahlen eine "zunehmende Ratlosigkeit der Krisenstäbe" ein: "Wir können gar nicht so viele Unterkünfte schaffen, wie wir brauchen."

Von der Vielzahl der Menschen überfordert

Gemeindepädagoge Erwin Bartsch, der seit vielen Jahren die ehrenamtliche kirchliche Flüchtlingshilfe in Zirndorf koordiniert, erläuterte die Möglichkeiten und Grenzen ehrenamtlicher Unterstützung im Erstaufnahmezentrum. Ein festes Team von Helfern aus Zirndorf erteile ersten Deutschunterricht, betreibe das "Café Europa" oder gehe den Ärzten auf dem Gelände zur Hand. Wegen der meist nur sehr kurzen Verweildauer sei es praktisch kaum möglich, persönliche Vertrauensverhältnisse zu Asylbewerbern herzustellen.

Auch seien viele gutwillige Helfer schlicht von der Vielzahl der Menschen überfordert, mit denen sie es zu tun bekämen. So habe etwa ein Student jüngst angeboten, an einem freien Nachmittag zu kommen und Kindern Eis zu spendieren. "Ich habe ihm gesagt: Wenn Sie 500 Portionen mitbringen, dann gerne", sagte Bartsch. Ehrenamtliche Hilfe sei in den dezentralen kleinen Unterkünften meist besser am Platze.


16.09.2015 / epd