Kanzelrede in der Erlöserkirche

Vom Geist der Veränderung

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel bei Kanzelrede in Erlöserkirche München

"Weil Jesus Christus der Rückenwind seiner Kirche ist, muss sie sich immer wieder verändern" - Synodalpräsidentin Preidel bei Kanzelrede in München.

Bild: Evangelische Akademie Tutzing

Ecclesia semper reformanda: Synodalpräsidentin fordert in der Kanzelrede am 30. Oktober in der Erlöserkirche in München Mut zur Hoffnung und Mut zur Veränderung der Kirche ein.

Das Lied "Wind of Change" von den Scorpions, auch bekannt als "Hymne der Wende", ist für die bayerische Synodenpräsidentin Annekathrin Preidel auch eine "Hymne der Reformation". Preidel sagte in ihrer Kanzelrede am Sonntag in der Münchner evangelischen Erlöserkirche: „Denn der Wind der Veränderung, der uns 500 Jahre nach Luthers Thesenanschlag den Rücken für künftige Veränderungen stärkt, blies vor 500 Jahren der damaligen Zeit und der damaligen Kirche ins Gesicht“, erklärte Preidel. Der Geist der Veränderung sei damit zum Motto der Reformation geworden. 

Zitat

Weil Jesus Christus der Rückenwind seiner Kirche ist, kann sie getrost in Richtung Zukunft gehen, auch wenn ihr der Wind der Veränderung noch so sehr ins Gesicht bläst und noch so sehr zu schaffen macht.

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel in der Kanzelrede in der Erlöserkirche in München

 Dieser Geist der Veränderung sei aber nicht zu verwechseln mit dem „so oft beschworenen Zeitgeist“. Es wäre ein „krasses Missverständnis, die Kirche der Reformation als Kirche zu verstehen, die ihr Fähnchen unentwegt nach dem Wind hängt, jedem Zeitgeist hinterher rennt, sich an jede Mode anpasst und ihre Mitglieder unter permanenten Veränderungsstress setzt.“ Die wahre Veränderung der Kirche geschehe nicht um des Prinzips der Veränderung, sondern um Christi willen, mahnte die Präsidentin der bayerischen evangelischen Landessynode.

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Preidel sagte, dass Dauerveränderung anstrengend sei und auch Angst mache: Je flexibler die Menschen sein müssten, desto größer werde ihre Sehnsucht nach Stabilität. Diese Sehnsucht nehme zu, je komplexer die Welt werde. Wer aber Angst habe, laufe Gefahr, sich in archaische und fundamentalistische Antworten zu flüchten. „Wem der Wind of Change all zu heftig ins Gesicht bläst, kann ja durchaus auf den Gedanken verfallen, ihm den Rücken zuzukehren (…) und sich auf den Rückweg zu machen“, betonte die Synodenpräsidentin und empfahl: „Halten wir unsere Nasen und Sinne in den Wind der Veränderung. Er weht uns nicht fort von allen sicheren Häfen, sondern direkt in die Arme Jesu Christi!“

Die Kanzelreden der Evangelischen Akademie Tutzing finden zweimal im Jahr statt und verstehen sich als Sprachform zwischen Predigt und Vortrag. Bisherige Redner waren unter anderem der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und Finanzminister Markus Söder (CSU), der berufenes Mitglied der bayerischen Landessynode ist. 


31.10.2016 / Evangelische Akademie Tutzing/epd