Interview

Klimaschutz - eine Grundaufgabe der Kirche

Renate Käser

Renate Käser: "Es ist wichtig, dass die Kirchliche Umweltkonferenz mit ihrer Fachkompetenz neue Ideen zur Bewahrung der Schöpfung in die Gesamtkirche trägt."

Bild: Renate Käser

Renate Käser ist von der Synode in die Kirchliche Umweltkonferenz als Kontaktperson entsandt.Für das Umweltmagazin sprach Gerhard Monninger mit ihr über das Ja der Synode zur Umwelt- und Klimaarbeit.

Renate Käser, Religionspädagogin an einer Berufsschule, lebt mit ihrem Mann in Euersbach bei Schweinfurt. Sie ist seit 2008 Mitglied der Landessynode der ELKB, seit 2014 auch Mitglied des Landessynodalausschusses. Sie ist als Kontaktperson von der Landessynode in die Kirchliche Umweltkonferenz entsandt. Gerhard Monninger, der ehemalige Umweltbeauftragte der Landeskirche, bat Renate Käser zu einem Gespräch.

Frau Käser, der Landessynodalausschuss hat sie als Kontaktperson in die Kirchliche Umweltkonferenz (KUK) entsandt. Wie ist man gerade auf Sie gekommen?

Käser: Vielleicht hat man sich daran erinnert, dass ich im Jahr 2010 eine Initiative von Pfarrerin Eva Loos aus Schweinfurt aufgegriffen und sie in Form eines Antrags in die Synode getragen habe. Es ging um den Ausstieg aus der Atomkraft, wohlgemerkt noch vor der Nuklearkatastrophe in Fukushima. Unsere Kirche sollte sich deutlich gegen die Nutzung der Kernenergie und gegen eine Laufzeitverlängerung der AKW aussprechen. Außerdem war ich zuvor schon im Fachausschuss Kirchlicher Entwicklungsdienst mit dem Thema nachhaltige Entwicklung befasst. Deshalb habe ich die Aufgabe in der KUK gerne übernommen.

Nun nehmen Sie regelmäßig an den Beratungen der KUK teil. Welche Eindrücke haben Sie dort gewonnen?

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Käser: Mich hat beeindruckt, wie die kirchliche Umweltarbeit aufgestellt ist, mit Umweltbeauftragten in den Gemeinden und Dekanatsbezirken bis hin zu den Kirchenkreisen. In der KUK treffen sich Vertreter aus allen Regionen unserer Landeskirche. Die Themen, die dort verhandelt werden, finde ich sehr spannend. Es ist wichtig, dass die KUK mit ihrer Fachkompetenz neue Ideen zur Bewahrung der Schöpfung in die Gesamtkirche trägt und auch alte Themen gewissermaßen warmhält. Bei der Vermittlung in die Synode hakt es manchmal ein bisschen. Eingaben an die Synode müssen ja im zuständigen Ausschuss vorberaten werden, da wird die Zeit oft knapp, und es bleibt nur noch der Weg eines Dringlichkeitsantrags, für den es einige Hürden gibt.

Die Landessynode hat sich seit Jahrzehnten schon mit wegweisenden Beschlüssen zu Umweltfragen geäußert. In jüngerer Zeit war es das Wort der Synodaltagung in Bad Windsheim von 2009 „Mit Energie für gutes Klima“, mit der die Einführung des Umweltmanagements beschlossen wurde. Trotzdem hat man manchmal den Eindruck, die Zustimmung der Synode zur kirchlichen Umwelt- und Klimaarbeit sei nicht stabil. Der neue Beschluss zur Einführung eines Integrierten Klimaschutzkonzepts fand keine besonders überzeugende Mehrheit.

Käser: Dieses Abstimmungsergebnis darf man nicht als generelle Skepsis oder gar Ablehnung der Umwelt- und Klimaarbeit verstehen. Alle drei Arbeitskreise der Synode waren sich darin einig, dass sie großes Gewicht hat. Aber: Schwerpunkt der Tagung war ja der Reformprozess „Profil und Konzentration“. Da waren nicht wenige Synodale der Meinung, man müsse erst einmal abwarten, in welche Richtung sich dieser Prozess bewegt, bevor man vorab schon bindende Beschlüsse fasst, und „bindend“ heißt hier auch, dass Gelder für lange Zeit gebunden sind. Es gibt ja viele Bereiche in unserer Kirche, die um die geringer werdenden Mittel konkurrieren. Dennoch hat eine Mehrheit mit ihrem Ja zum Integrierten Klimaschutzkonzept die Umwelt- und Klimaarbeit zu einer Grundaufgabe der Kirche erklärt. Ich glaube, so muss man diesen Beschluss verstehen.

Gehen wir noch weiter zurück in der Beziehungsgeschichte Synode und Umwelt. Als sich im Jahr 2003 unsere Kirche vor die Notwendigkeit gestellt sah, drastische Sparmaßnahmen zu ergreifen, gab es Stimmen, die die Umweltarbeit komplett streichen wollten. Sie sei beim Staat und den Umweltverbänden in besten Händen. Die geistliche Dimension, kurz gesagt, der Erste Glaubensartikel, war nicht im Blick. Gibt es diese Haltung in der Synode auch heute noch?

Käser: Ich kann das nicht erkennen. Und selbst wenn der eine oder die andere so denkt, verliert das Argument an Gewicht, wenn man sieht, dass zum Beispiel das Umweltmanagement unter dem Strich weit mehr an Einsparungen für die Gemeinden bringt als es kostet.

Etwa 200 Kirchengemeinden und Einrichtungen der ELKB haben bisher an Maßnahmen wie „Grüner Gockel“ oder „Sparflamme“ teilgenommen. Das klingt erst einmal ganz gut. Angesichts von 1500 Gemeinden ist es aber ziemlich mager. Alle Welt ist entsetzt über die beabsichtigte Kündigung des Pariser Klimaabkommens durch den US-Präsidenten, aber bei uns vor Ort passiert nur wenig.

Käser: Wahrscheinlich müsste noch offensiver geworben werden. Die Argumente, die man hört - "Es ist zu teuer, es kommt nichts dabei raus, wir haben keine Leute dafür, wir achten doch sowieso schon auf die Umwelt" — die kann man ja nicht aufrechterhalten, wenn man den Grünen Gockel besser kennt.

Wie geht es Ihnen persönlich mit einem nachhaltigen Lebensstil? Wo schlägt Ihr Herz, was klappt nicht so gut?

Käser: Mein Mann und ich bewohnen ein altes Fachwerkhaus, das wir hergerichtet haben: vorwiegend natürliche Materialien, kaum Kunststoffe, dazu eine Pelletheizung und Sonnenkollektoren auf dem Dach — das gibt uns ein gutes Gefühl. Schwierig ist es mit dem ökologischen Fußabdruck beim Reisen: Ich bin als Partnerschaftsbeauftragte öfter einmal in Brasilien, da bleibt mir nur, eine Kompensation für das CO2 zu entrichten. Ideal ist das nicht, aber es geht halt nicht anders.

Noch ein Blick in die Zukunft: Was erträumen Sie sich für unsere Welt in 20 Jahren?

Käser: Die Menschen überdenken ihre Glücksvorstellungen und entdecken kraft ihres Glaubens ein erfülltes Leben ohne die Verheißungen der Konsumwelt — im Einklang mit der Schöpfung.

Das Gespräch führte Gerhard Monninger für das Umweltmagazin der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern, Ausgabe 76.


09.08.2017 / Umweltmagazin der ELKB