Pechmann-Preis 2018

"Sensibel bleiben für das, was nicht wieder geschehen darf"

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Gestiftet wurde der Preis zum Gedächtnis an Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), der Preis ehrt seine Verdienste um Humanität, Christentum und Kirche sowie sein Eintreten für jüdische Mitbürger.

Bild: ELKB

Am 8. Februar wurden in der Münchner Erlöserkirche die diesjährigen Preisträgerinnen und Preisträger des Wilhelm Freiherr von Pechmann-Preises ausgezeichnet.

Mit diesem Preis, der heuer mit 15.500 Euro dotiert ist, würdigt die Landeskirche herausragende Leistungen in der Auseinandersetzung mit der Zeit des Nationalsozialismus und der Rolle der Kirche in dieser Zeit.

Angesichts des erstarkenden Rechtspopulismus gelte es, verstärkt für ein demokratisches und menschenwürdiges Europa einzutreten, betonte Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler in ihrer Begrüßungsrede. Die neuen Rechten pervertierten mit ihren Programmen die konservativen Werte, die sie zu verteidigen vorgeben. Es gelte, „der Finsternis in den Köpfen und Herzen zu wehren“, so Breit-Keßler, die auch Ständige Vertreterin des Landesbischofs ist, denn demokratischer und menschenwürdiger würde Europa durch einen weiteren Rechtsruck nicht.

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Wir dürfen nicht aufhören hinzuhören und hinzuschauen. Wir dürfen nicht aufhören, uns erzählen zu lassen, was in unserer jüngsten Geschichte während des Nationalsozialismus geschehen ist. Wir müssen sensibel bleiben für das, was um Gottes willen nicht wieder geschehen soll.

Synodalpräsidentin Annekathrin Preidel bei der Pechmann-Preis-Verleihung 2018

Die Präsidentin der Landessynode der bayerischen Landeskirche, Annekathrin Preidel, warnte in ihrer Ansprache vor Geschichtsvergessenheit: „Wir dürfen nicht blind, taub und stumm werden angesichts dessen, was in unserer Gesellschaft gerade wieder geschieht. In einer Zeit, in der durch die zunehmende Globalisierung und Digitalisierung alles immer unübersichtlicher wird, dürfen wir nicht nach einfachen Antworten suchen und schon gar nicht dürfen wir denen auf den Leim gehen, die meinen, diese einfachen Antworten bereits gefunden zu haben.“ Gerade Menschenwürde, Toleranz und Respekt dürften wir als Gesellschaft nicht aufs Spiel setzen, so Preidel weiter: „In der Ausrichtung auf Jesus Christus und Gottes Wort sind wir immer wieder gefordert, dem Rad der fremdenfeindlichen Menschenverachtung zivilcouragiert in die Speichen zu fallen und allen Formen von Rassismus, Diskriminierung und Menschenfeindlichkeit entgegenzuwirken.“

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Gestiftet wurde der Preis zum Gedächtnis an Wilhelm Freiherr von Pechmann (1859-1948), den ersten gewählten Präsidenten der Evangelisch-Lutherischen Generalsynode in Bayern. Er war von Beruf Bankdirektor und bekleidete internationale Ehrenämter in Wirtschaft und Kirche. Von Pechmann war ein entschiedener Gegner des Nationalsozialismus. Der Preis ehrt seine Verdienste um Humanität, Christentum und Kirche sowie sein Eintreten für jüdische Mitbürger.

Eine siebenköpfige Jury bestehend aus Regionalbischöfin Susanne Breit-Keßler (Vorsitz), der Präsidentin der Landessynode Dr. Annekathrin Preidel, den Synodalen Stefan Blumtritt, Augsburg,  und Christina Flauder, Kulmbach, sowie Dr. Dieter Haack, Bundesminister a. D., Prof. Dr. Harry Oelke von der Evangelisch-Theologische Fakultät der LMU München und Dr. Wolfgang Sommer, Emeritierter Professor der Augustana-Hochschule Neuendettelsau verlieh zwei Preise in der Kategorie „Wissenschaft“ (je 3.000€), drei in der Kategorie „Publizistik“ (je 3.000€) und einen Sonderpreis in Höhe von 500 Euro.

Und das sind die Preisträgerinnen und Preisträger:

Kategorie Wissenschaft

Dr. Hans Rößler: Nationalsozialismus in der fränkischen Provinz. Neuendettelsau unterm Hakenkreuz. Neustadt/Aisch 2017.

Kategorie Wissenschaft

Dr.  Rebecca Scherf: Evangelische Kirche und Konzentrationslager 1933 bis 1945. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Evangelisch-Theologischen Fakultät der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Kategorie Publizistik

Nancy Brandt: „‘Seine Kirche aber schwieg‘. Zum 75. Todestag des evangelischen Kirchenjuristen und NS-Opfers Martin Gauger“. Bayern 2. Evangelische Perspektiven. Ausstrahlung am 20. November 2016; und „Seine Kirche aber schwieg.“ Bayerisches Fernsehen. Stationen. Ausstrahlung am 16. November 2016.

Kategorie Publizistik

Julia Fritzsche / Sebastian Dörfler: Das Pogrom von Hoyerswerda: Eine Reise in die Gegenwart. Bayern 2. Hörbild und Feature. Sendung vom 17. September 2016.

 

Kategorie Publizistik

Monika Greier: Zwangssterilisation und das Verhalten der Gehörlosenseelsorge – Schritte zur Aufarbeitung. Die evangelische Gehörlosenseelsorge und das „Wort an die erbkranken evangelischen Taubstummen“ von 1936. Schuld und Verantwortung. In: Das Zeichen. Zeitschrift für Sprache und Kultur Gehörloser 105(2017), S. 6-18.

Sonderpreis

Maria Merz: Dr. Heinrich Maier – Ein Wiener Geistlicher im Widerstand gegen den Nationalsozialismus. Vorwissenschaftliche Arbeit. Klasse 8b, Döblinger Gymnasium Wien, Betreuerin: Ursula Pleschko. 12. Februar 2016.


09.04.2018 / ELKB