Kirchenvorstandswahl 2018

Glauben und wählen gehören zusammen

Walter Schnell

"Ich glaub.Ich wähl" - Vizepräsident Walter Schnell ruft zur Teilnahme an der Kirchenvorstandswahl auf.

Bild: ELKB/Rost

In einem Schreiben hat der Vizepräsident der Landesynode, Walter Schnell, die Kirchenmitglieder in Bayern zur aktiven Teilnahme an den Kirchenvorstandswahlen am 21. Oktober aufgerufen.

In den 1.537 Kirchengemeinden in Bayern finden am 21. Oktober die Wahlen zum Kirchenvorstand statt. Wahlberechtigt sind alle Mitglieder, die am Wahltag das 14. Lebensjahr vollendet haben und konfirmiert sind. "Ich glaub. Ich wähl.“ – so lautet das Motto der Wahl. Vizepräsident Walter Schnell aus Kammerstein nimmt in einem Schreiben an evangelische Christinnen und Christen in Bayern dieses Motto auf: "Glauben und wählen passen zusammen". Lesen Sie hier den Brief vom 16. September 2018 in vollem Wortlaut:
 

"Glauben und wählen passen zusammen

Glauben und wählen gehören für uns Protestanten zusammen. Unser Glaubensverständnis hat etwas Demokratisches. Wir haben keine über alles entscheidende Autorität, unsere Richtschnur ist die Heilige Schrift, zu der jeder einen Zugang hat. Gerade deshalb hat Martin Luther – wie auch unsere Landessynode – der Bildung einen großen Stellenwert gegeben. Alle Menschen sollten die Bibel lesen und verstehen können.

Wie demokratisch ist die Kirche?

Es hat lange gedauert, bis die Evangelische Kirche ihr positives Verständnis von Demokratie zum Ausdruck brachte: 1985 erschien die Demokratiedenkschrift. Bereits vorher waren viele engagierte Protestanten mutig voran gegangen und sich nach 1945 in den demokratischen Staat eingemischt. Dass dies auch heute notwendiger denn je ist, beweisen viele politische Debatten, die für einen engagierten Christen mitunter grenzwertig sind.

 Christen neigen zur Zurückhaltung. Staat und Kirche werden oft als Gegensatz empfunden. Kirchliche Arbeit ist ein Teil unseres gesellschaftlichen Lebens. Kirche und Politik müssen zusammenarbeiten. Wir Christen sollten uns wesentlich stärker an der politischen Willensbildung beteiligen.

Mehr Verantwortung in den Gemeinden

Unsere Kirchenverfassung garantiert demokratische Mitwirkungsmöglichkeiten. Auf diese demokratischen Strukturen in unserer Kirche können wir stolz sein. Sicherlich ist vieles verbesserungsfähig, z. B. eine stärkere Kompetenzverlagerung in die Kirchengemeinden. Auch heute arbeiten manche unserer Gemeinden noch  immer zu pfarrerzentriert. Dennoch erlebe ich überall in unserer Landeskirche sehr viel Offenheit und Aufgeschlossenheit.

Mit dem landeskirchlichen Zukunfts- und Reformprozess „Profil und Konzentration“ wollen wir auf allen Ebenen unserer Kirche eine Diskussion zu wichtigen Fragen führen, z. B. Was ist das Wesentliche unserer kirchlichen Arbeit? Worauf wollen wir uns konzentrieren und was brauchen wir dazu als Unterstützung? Wo werden Energie, Motivation und Ressourcen bei uns verschlissen und was sollte geändert werden? Für diesen Reformprozess brauchen wir engagierte, selbstbewusste und mutige Ehrenamtliche, die über den Tellerrand hinausdenken!

Unsere Kirchenvorstände bestimmen wie das Geld ausgegeben wird, welche Schwerpunkte gesetzt werden, wie ein Gottesdienst gefeiert wird, wer den Vorsitz im Kirchenvorstand hat oder wer die Gemeinde nach außen vertritt. Und auch auf der Ebene der Dekanate, die in den letzten Jahren enorm gestärkt wurde, entscheiden Ehrenamtliche in vielen wichtigen Fragen.

Unsere Landessynode, die die Richtung unserer Kirche mitbestimmt, wird schließlich von den Mitgliedern der Kirchenvorstände gewählt. In der Landessynode wird der Landesbischof gewählt. Er wird nicht bestimmt oder ernannt. Die Landessynode entscheidet über den Haushalt und unsere Kirchengesetze.

Sind sechs Jahre zu lang?

Eine Diskussion ist über die Wahlperiode von sechs Jahren entstanden. Viele Menschen – vor allem junge – können kaum eine Perspektive von sechs Jahren bieten. Wir müssen daher auch akzeptieren, wenn während einer Wahlperiode ein Mitglied ausscheidet, weil es sich beruflich verändern muss oder einfach andere Prioritäten setzt.

Auf der anderen Seite braucht ein Kirchenvorstand auch Kontinuität. Demokratische Strukturen und kirchliche Entscheidungsprozesse sind mitunter schwer verständlich. Ein Ehrenamtlicher braucht zur Einarbeitung daher Zeit. Die Vorbereitung und Durchführung einer Kirchenvorstandwahl ist schließlich mit sehr viel Aufwand verbunden.  Wir sollten diese Frage in unseren Gemeinden diskutieren.

Wahlen sind wichtig

Ich danke allen Kandidatinnen und Kandidaten. Sie dürfen darauf vertrauen, dass sie von Gott dafür mit Gaben ausgerüstet sind, die sie in die Gemeinde einbringen sollen (1. Petr 4, 10).

Menschen prägen das Gemeindeleben. Sie können am 21. Oktober mitentscheiden.  Beachten Sie bitte auch die erweiterten Möglichkeiten der Briefwahl. Unsere Kirche lebt auch von den Mitgliedern, die Verantwortung übernehmen und mitdenken. Bitte gehen Sie zur Wahl!"

 Walter Schnell, Kammerstein

Vizepräsident der Landessynode der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern

 


18.09.2018 / ELKB